No Country For Old Men

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“No Country For Old Men” ist es also, der beste Film des Jahres 2008. Mit 4 Oscars wurde der Thriller in diesem Jahr ausgezeichnet. Dabei konnte er sich gegen das im Vorfeld schon als neues “Citizen Kane” verschriene “There Will Be Blood” in allen wichtigen Kategorien durchsetzen. Neben der wichtigsten Kategorie als “Bester Film” gewannen die Coen-Brüder jeweils einen Oscar für ihre Regie-Arbeit und ihr adaptiertes Drehbuch. Außerdem wurde Javier Bardem für seine Vorstellung als knallharter Killer Anton Chigurh ausgezeichnet.

Joel und Ethan Coen kehren mit “No Country For Old Men” zurück in das Metier, in dem sie in den Jahren 1984 bis 2003 bei Kritikern und Fans gleichermaßen für Furore sorgten. Mit Filmen wie “Blood Simple”, “Millers Crossing” oder “Fargo” schufen sie sich weltweit den Ruf, staubtrockene Gewalt mit einer großen Portion schwarzem Humor zu mischen. Dabei entstanden zeitlose Klassiker der Filmgeschichte. Umso ärgerlicher war der nicht gerade ruhmreiche Ausflug der Brüder in das Komödienfach.

Für ihr Comeback hätten sich die Coens keine bessere Story ausdenken können, als der amerikanische Autor und Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy in seinem gleichnamigen Roman vorgab. Die Geschichte ist angesiedelt im Jahr 1980. Irgendwo zwischen Texas und Mexiko entdeckt der Vietnam-Veteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) den Ort eines Massakers. Zwischen den Leichen und kiloweise Heroin findet er einen Koffer mit mehreren Millionen Dollar. Diesen nimmt er an sich. Jedoch weiß er nicht, dass der Koffer mit einem Peilsender versehen ist. Die Auftraggeber des geplatzten Deals wollen natürlich das Geld zurück und beauftragen den kaltblütigen Killer Anton Chigurh. Dieser hat seine ganz eigenen Prinzipien und entscheidet schon mal per Münzwurf, wer überlebt und wer nicht. Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt, in dessen Verlauf zig Menschen ihr Leben lassen müssen. Dies ruft auch den alternden Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) auf den Plan. Dieser scheint mit der Situation jedoch überfordert…

Den Coens gelingt es, aus diesem Stoff einen weiteren zeitlosen Klassiker zur formen. Dabei zeigt schon die Fotografie, in welche Richtung der Film gehen soll. Die Bilder sind rau, opulent und bewusst in kühleren Farben gehalten. Auch der Soundteppich vermittelt diese Atmosphäre. Aus den Boxen kann man förmlich den Sand im Wind wehen hören. Anzumerken ist, dass die Coens auf einen Score komplett verzichten. Sie wollen den Zuschauer durch Musik nicht beeinflussen und lassen lieber die Bilder und Dialoge für sich sprechen.

Dass die Dialoge bei einem Film der Brüder unfassbar gut sind, braucht man eigentlich nicht mehr erwähnen. Diese strotzen nur so von Lakonie, Melancholie, Zynismus und schwarzem Humor. Aufbauend auf die Geschichte gelingt es, für jeden der spärlich gesäten, aber von Anfang an stark entwickelten Charaktere die passenden Schauspieler zu finden. Josh Brolin, der zuletzt schon in Filmen wie “Planet Terror” und “American Gangster” überzeugen konnte, besitzt genau die Präsenz auf der Leinwand, die dessen Charakter Llewelyn Moss ausstrahlt: ein im tiefsten Innern gebrochener Mann vom Typ “harte Schale, weicher Kern”, der jede Chance nutzen würde, um noch einmal etwas aus seinem tristen Leben machen zu können. Tommy Lee Jones’ Rolle scheint, als wäre sie ihm direkt auf den Leib geschrieben. Sheriff Bell ist ein alternder, ewig knauselnder Mann, der ständig den Werteverfall der Gesellschaft anprangert. Dabei scheint das Wort Fröhlichkeit gänzlich in seinem Wortschatz zu fehlen. Eben genau der Typ amerikanischer Südstaatler. Dabei sind die Ähnlichkeiten zu Jones so erschreckend, dass man meint, dieser müsste kaum in eine Rolle schlüpfen. Wie Jones taut so zum Beispiel der Sheriff das einzige Mal auf, als er von der Viehzucht erzählen kann. Am besten besetzt scheint aber der Spanier Javier Bardem als Psycho-Killer Chegurh. Bardem, der dafür berechtigterweise den Oscar erhielt, verleiht dem Killer einen eigenen Touch, den wohl niemand anders so hätten rüberbringen können. Chegurh ist gefühlslos und handelt nach seinen eigenen, verschrobenen Prinzipien. Bardem trifft vor allem durch seine exzellente Mimik den Kern der Rolle. Es presst den Zuschauer regelrecht in den Kino-Sessel, wenn per Münzwurf entschieden wird, wer leben darf und wer nicht. Einen Platz in der Alltime-Liste der größten Psycho-Killer hat Chegurh damit sicher.

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Mein Fazit:

Die Coens sind zurück, obwohl sie nie weg waren. Mit “No Country For Old Men” beweisen sie der Welt aber wieder einmal, warum sie von so vielen zu den besten Filmemachern der Welt gezählt werden. Handwerklich ist der Thriller perfekt, die Story ist extrem spannend und alle Schauspieler in Höchstform. Die Oscars gehen somit für mich alle klar. Ich habe zwar “There Will Be Blood” noch nicht gesehen, bezweifle aber, dass der “No Country For Old Men” das Wasser reichen kann. Ein Thriller auf Höchstniveau, der beste Film, den ich im Kino seit sehr langer zeit sehen durfte. Genial. (10/10)

★★★★★★★★★★

BLOGSPIEGEL

From Beyond: 7/10

Symparanekronemoi: 6,5/10

Equilibrium: 10/10

MoviezKult: 10/10

Durchschnittwertung: 8,2/10

8 Responses to “No Country For Old Men”

  1.   fincher (60)
    March 11th, 2008 | 8:13 pm

    Schönes Review! “No Country for Old Man” muss ich mir unbedingt auch noch ansehen, solange er noch in den Kinos gezeigt wird.

  2.   Kaltduscher (373)
    March 12th, 2008 | 2:39 pm

    Danke :D

  3.   TheRudi (136)
    May 4th, 2008 | 2:03 pm

    5/10 hab ich ihm gar nicht gegeben :( Hätte ich mal gewusst, dass hier soviel auf mich verwiesen wird, hätte ich bereits früher mal vorbei geschaut. Darfst nicht so still auf meinem Blog immer sein ;) Bin durch Blogroll vom Rajko hier her gestolpert. Interessant finde ich deinen Filmgeschmack, deine Top 15 lesen sich…sehr interessant, ziemlich ausgewogen, keinerlei Präferenzen (wie bei Cleric oder mir) erkennbar. Ab sofort schau ich mal öfters vorbei ;)

  4.   Kaltduscher (373)
    May 4th, 2008 | 8:39 pm

    Hätte schwören können, es waren 5/10 .. aber das war Dein altes Bewertungssystem :D … werde ich bald ändern. Ja Präferenzen habe ich wirklich nicht, mir gefallen Arthaus-Filme wie auch Popcorn-Filme. Freut mich aber, dass Dir das gefällt und Du nun öfters mal reinschaust :)

  5. October 5th, 2008 | 12:28 pm

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 10.0 Corsovilla SchönerDenken 82 Bewertungen 28 Kritiken [...]

  6. October 7th, 2008 | 11:41 pm

    [...] Kaltduscher (10/10) KiNGU (10/10) [...]

  7.   Bukmacher (2)
    October 28th, 2008 | 8:06 pm

    Ciekawy post, dodalem twoj blog do ulubionych, bede tu teraz wpadal czesciej, pozdrawiam

  8.   Kaltduscher (373)
    October 28th, 2008 | 9:05 pm

    Hm, in english please? :D

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